Pilgern heute...

Seit dem 12. Jahrhundert wird in der romanischen Basilika das Grab des Apostels Matthias verehrt. Seit dieser Zeit gibt es auch Wallfahrten nach St. Matthias.

Unzählige Menschen haben sich die Jahrhunderte hindurch auf den Weg gemacht, um als Pilger die Gemeinschaft des Glaubens zu erleben. Gibt es auch in anderen Religionen das Phänomen der Wallfahrt, so ist es gerade im christlichen Glauben ein angemessenes Zeichen für den Weg des Lebens, der als Weg des Glaubens gesehen und erfahren wird. Die Wallfahrt drückt also das aus, was auch im Alltag geschieht: Menschen sind auf dem Weg mit ihrem Gott.

Im christlichen Verständnis ist die Wallfahrt nicht in erster Linie ein Weg zu Gott, sondern ein Weg mit Gott. Der Glaube betont, dass Gott den ersten Schritt zu den Menschen macht. Er selber lädt sie ein, sich mit ihm auf den Weg zu machen. Die Wallfahrt ist demnach nicht Bitte um, sondern Erfahrung von Gemeinschaft. Der Weg ist also das "Ziel". Der Weg eröffnet Veränderung. Der Weg verwandelt. Wer sich darauf einlässt, spürt das. Einzige "Voraussetzung" für die Pilger ist die Bereitschaft, den Weg mitmachen, dabei sein zu wollen.

Der Apostel Matthias, dessen Verehrung diese Wallfahrtsbewegung angeregt hat, ist ein sprechendes Beispiel für die Weggemeinschaft, die Jesus den Menschen ermöglicht hat, und die er - so glauben wir - auch heute ermöglichen will. Von Matthias berichtet die Apostelgeschichte, er sei "von Anfang an dabei gewesen, als der Herr Jesus bei uns ein- und ausging". Sich mit auf den Weg des Glaubens zu machen, ist auch der Wunsch der Pilger heute.

Eine Wallfahrt führt Menschen zusammen und hilft, Isolierung zu überwinden. Gemeinsames Suchen und Erleben werden zur Stütze für alle. Oft spüren Menschen auf dem Pilgerweg von neuem, was es bedeuten kann zu glauben.

Das Zusammensein über mehrere Tage, bei oft ganz einfachen äußeren Bedingungen, erschließt neue Erfahrungen, die im alltäglichen Glauben weiterwirken. Die Bewältigung von Anstrengungen, das Aushalten von Strapazen, aber auch das Erlebnis gemeinsamer Freude führt Menschen tiefer zu sich selbst und zueinander. Die Verkrustungen des Alltags werden aufgebrochen, und die oft beklagte Kopflastigkeit hat hier keine Chance. Denn der ganze Mensch in seiner leib-seelischen Einheit wird einbezogen, und die tieferen Schichten des Inneren öffnen sich für die Begegnung mit Gott.

Darum geht es bei der Wallfahrt: Sie ist eine Möglichkeit, die Beziehung aufzugreifen und zu spüren, die Gott mit den Menschen eingegangen ist. Die Zeit, die Menschen dieser Begegnung widmen, wird zu einem Geschenk, das das Leben verwandelt.

Auszug aus eine Veröffentlichung der Abtei St Matthias in Trier

 

Zu Fuß...

Zu Fuß, die leise Art sich fortzubewegen, umweltbewusst und günstig. Nicht zu langsam, nicht zu schnell, so dass Auge und Geist die Eindrücke und Erlebnisse aufnehmen, verarbeiten können. Den Körper spüren, den Einklang von Geist und Bewegung fühlen. Das unbeschreibliche Gefühl anzukommen. Über die hügelige Landschaft der Eifel blicken, den Sonnenuntergang beobachten, den Wind im Gesicht, den Duft der Wiesen und Bäume einatmen, das Erwachen des neuen Tages in den frühen Morgenstunden erleben, das Prickeln der wärmenden Sonne auf der Haut, die Kälte im Gesicht, den Regen empfangen, den aufkommenden Sturm beobachten, klatschnass und durchfroren ankommen, Grenzen finden. Die Strecke bewusst erleben, leben. Zeit haben. Der Weg als Ziel.

Das alles kann man beim Pilgern erleben!